Wildbienen-Projekt der Bienenklasse

(Start: Frühjahr 2019)

Zu Beginn des Frühjahrs 2019 startete die ´Bienenklasse` unserer KGS Forster Linde ein ´Wildbienenprojekt` an der Schule. Zum einen, um ihrem Namen als ´Bienenklasse` alle Ehre zu machen, zum anderen aber vor allem deswegen, weil die Wildbienen uns brauchen und wir sie!
Um das Projekt besser verstehen zu können, gibt es vorab einiges Wissenswertes über die fleißige Biene:

Die Honigbiene, die Tessnim hier beschreibt, ist nur eine von unglaublich vielen Bienenarten auf der Welt.

WAS IST EINE WILDBIENE? WELCHE BIENEN GIBT ES?

www.pixabay.com

 

Weltweit gibt es über 20 000 Bienenarten; in Deutschland über 500. Am bekanntesten ist wohl die Honigbiene, von denen insgesamt nur circa 10 Arten existieren. Die Honigbiene, die zum Beispiel bei uns in Deutschland den Honig produziert, nennt man ´Westliche Honigbiene`.

 

 

Alle anderen der über 20 000 Bienenarten sind Wildbienen:

Die Hummel: www.pixabay.com (Myriam Zilles)

Viele von ihnen sehen ganz anders aus als unsere Honigbiene. Sie haben unterschiedliche Farben und können zwischen 2mm und 3cm groß sein. Zu den größeren Wildbienen gehören die verschiedenen Hummelarten.
Die meisten Wildbienen leben einzeln, also nicht in Gruppen oder Staaten. Sie sind sozusagen alleinerziehend. Andere Arten sind zum Beispiel Kuckucksbienen, die ihre Eier heimlich in die Nester von anderen Bienenarten legen.

 

Foto von Detlef Roeper

 

Viele von diesen Kuckucksbienen gehören zu den sogenannten Wespenbienen, die man wiederum nicht mit Wespen verwechseln sollte. (In Europa gibt es allein von diesen Wespenbienen mehr als 200 Arten!)Für unser Wildbienen-Projekt der KGS Forster Linde sind zwei Wildbienen-Arten von besonderem Interesse, da sie besonders „pflegeleicht“ sind: Die gehörnte Mauerbiene und die rote Mauerbiene

 

 

Gehörnte Mauerbiene

Weibchen der gehörnten Mauerbiene: (C) Foto by Fritz Geller-Grimm, Osmia fg01, CC BY-SA 3.0 

Die gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) ist mit der roten Mauerbiene nahe
verwandt. Sie gleichen sich sowohl optisch als auch im Verhalten. Ihren Namen
bekam sie, weil das Weibchen am Kopf zwei kleine, zwischen den Haaren
versteckte Hörnchen hat. (Das Weibchen der roten Mauerbiene hat diese
allerdings auch.) Sie werden 12 – 16 mm groß, der Körper ist schwarz und der
Hinterleib rostrot. Das Männchen ist – wie auch das Männchen der roten
Mauerbiene – etwas kleiner als das Weibchen, hat auffallend lange Fühler und
eine weiße Gesichtsbehaarung.

Rote Mauerbiene
Die rote Mauerbiene (Osmia bicornis) erinnert laut dem NABU, der ältesten
deutschen Naturschutz-Organisation, an eine schlanke Hummel und gilt als
häufigste einheimische Art der Wildbienen. Sie wird ca. 10 mm groß und hat eine
dichte und lange rötlich-braune Behaarung. Ihr Brustkorb ist allerdings hell
behaart. Das Weibchen hat eine schwarze Gesichtsbehaarung, das Männchen
auffallend lange Fühler und eine weiße Gesichtsbehaarung.
Die rote Mauerbiene taucht etwas 2 bis 3 Wochen später als die gehörnte
Mauerbiene auf und verträgt sich hervorragend mit ihrem gehörnten Nachbarn.
Man findet sie häufig in der Nähe menschlicher Behausungen. Dort nisten sie
zum Beispiel in Hohlräumen von Mauern, in Totholz, Türschlössern oder
Rolladenstoppern. Man hat sogar schon in einer Holzflöte Nester gefunden. 2019
wurde die rote Mauerbiene zum Insekt des Jahres gewählt.

Mauerbienen: Foto von Detlef Röper

Blaue Holzbiene: Foto von Detlef Röper

 

 

 

 

 

 

 

 

Genauere Informationen zu den Bienenarten findet man beispielsweise unter:
HIER KLICKEN

oder in der besonders für unsere Kinder geeigneten Bienen-App:
HIER KLICKEN

 

Ob wir ohne die Bienen tatsächlich nur noch 4 Jahre zu leben hätten, kann an
dieser Stelle nicht beantwortet werden.

Der folgende Link zum Beispiel gibt
darüber etwas genauer Auskunft:

HIER KLICKEN

Fakt ist, dass „80% der heimischen Kultur- und Wildpflanzen-Bestäubung durch Bienen abhängig sind. Ein Drittel von allem, was wir essen, ist abhängig von Bienenbestäubung.

In unseren Supermärkten wären zwei von drei Regalen leer, wenn es keine Bienen gäbe. … Der Weltrat der Artenvielfalt sieht eine Bedrohung
für die Ernährungssicherheit der Menschheit.“ (siehe unten: Link: Bienenretter)

 

Fakt ist auch, dass rund 300 von 560 heimischen Wildbienenarten auf der Roten Liste stehen. Durch die Zerstörung von Lebensräumen, durch eingeschleppte Parasiten und Krankheiten, durch die Monokulturen in der Landwirtschaft oder durch den Einsatz von Pestiziden sinkt die Anzahl der Wildbienen sehr stark.

Wer hier genauer nachlesen möchte, kann sich gerne zum Beispiel die folgenden Links anschauen:

Bienenretter Bildungsprojekt: HIER KLICKEN

Quarks: HIER KLICKEN

 

So erklärt Noah, Klasse 2a, mit seinen Worten die wichtige Aufgabe der Bienen:

WAS IST BESTÄUBUNG? WIE FUNKTIONIERT SIE?
Vor 200 Millionen Jahren funktionierte die Bestäubung durch Wind und das
Wasser, bis die Insekten ins Spiel kamen. Heute bestäuben nicht nur Bienen die
Pflanzen, sondern weiterhin auch der Wind und andere Insekten, wie zum
Beispiel Schmetterlinge.

Bild von Kookay auf Pixabay

Insekten, die Pflanzen bestäuben sind ganz wichtig für die ganze Welt.
Die Bienen fliegen von Blume zu Blume, um sich den wichtigen Nektar zu
holen, den sie brauchen, um sich zu ernähren und um den leckeren Honig
machen zu können. Wenn die Biene zur Blume fliegt, um sich den leckeren
Nektar zu holen, muss sie in die Blüte hineinklettern, um an den Nektar zu
kommen. Während sie in die Blüte klettert, bleibt der Pollenstaub an ihrem Körper hängen.

 

Wenn die Biene dann zur nächsten Blume fliegt, spielt sie den
Postboten für die Blumen, weil sie den Pollenstaub der vorherigen Blume an der
nächsten Blume abgibt.

Sieht aus wie eine Honigbiene, ist aber keine! Hier wird eine Nisthöhle angelegt!

(Film von Detlef Röper)

PROJEKTSTART DER BIENENKLASSE 2019

www.pixabay.com (Capri23auto)

Unser Wildbienenprojekt der KGS Forster Linde fördert nicht nur das Verständnis der Kinder für faszinierende biologische Vorgänge in unserer heimischen Natur.
Auch wenn die beiden Mauerbienenarten nicht zu den gefährdeten Wildbienen zählen, können die Schulkinder deren Entwicklung und Treiben aus der Nähe genau beobachten. Das Projekt klärt darüber hinaus auch auf, wie empfindlich
unsere Umwelt auf den Einfluss des Menschen reagiert. Das bekannte
„Bienensterben“ ist dabei nur ein trauriges Detail beim generellen Artensterben.
Kinder schon in der Grundschule für die Natur zu begeistern, kann eine
wesentliche Grundlage für ihr (späteres) umweltbewusstes Verhalten sein.
Was war und ist zu tun?
Neben Informationsbeschaffung und Beratung durch den Imker und
Bienenfreund Detlef Röper aus Burtscheid, wobei die Wildbienen-Arten
ausgesucht und mögliche Standorte für das Bienenhotel vor Ort besichtigt und
für gut befunden wurden – trocken, sonnig, ungestört – ist vor allem Bereitschaft
und Offenheit von Nöten: die Offenheit der betreuenden Lehrerin und ihrer
Klasse, aber auch die Offenheit und Bereitschaft der Schulleitung, sich
Wildbienen an die Schule zu holen. Schließlich gibt es sicherlich Eltern und
Kinder, die möglicherweise der Sache skeptisch gegenüberstehen, unter
Umständen Angst davor haben, gestochen zu werden.
Sind Wildbienen gefährlich?

Dies erklärt Alisa, Klasse 2a, so:
„Die Wildbienen kämpfen nicht, anders als die Honigbienen, um ihre Brut. Sie
stechen nur, wenn sie bedroht werden. Und auch dann ist der Stich…“ in keiner
Weise zu vergleichen mit einem Stich der Honigbiene. „Bei vielen Arten der
Wildbienen ist der Stachel zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen.
Die meisten Wildbienen … sind daher nicht bedrohlich. Somit sind Wildbienen
nicht gefährlich, …aber so wichtig.“
Da hat Alisa recht: verglichen mit der Honigbiene sind Wildbienen ein „Muster
an Friedfertigkeit. Lediglich zwei Hummelarten, die Baumhummel (Bombus
hypnorum) und die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) können auf
Störungen im unmittelbaren Nestbereich manchmal ungnädig reagieren.“
Würde man zum Beispiel die Brutzellen unserer Mauerbienen hier an der KGS
Forster Linde zerstören, so würden die friedlichen Wildbienen die Flucht
ergreifen, aber niemals angreifen. „Um sie zum Stich zu nötigen, muss man eine
Wildbiene gewaltsam gegen eine nackte Hautstelle drücken.“

Und falls es wider Erwarten doch einmal zu einem Stich kommen sollte, so muss
man selbst dann keine Sorge haben. Denn „der Schmerz ist minimal, … klingt
schon nach wenigen Minuten wieder komplett ab“ und es kommt weder zu einer
Rötung, Schwellung oder zum Juckreiz. Und: eine Allergie auf das Gift der
Wildbienen ist bisher nicht bekannt. (siehe Link: Naturgartenfreund)

Nach Klärung dieser Dinge, konnte über http://mauerbienen.com/ ein
Bienenhotel und Kokons der roten und der gehörnten Mauerbiene bestellt
werden. Anfang März wurde das Bienenhotel an seinen Standort gebracht, die
Kokons in kleinen Pappboxen mit Löchern daneben gestellt und dann hieß es:
abwarten!

Bald schon konnte ein wenig ´Flugverkehr` beobachtet werden. Die Kinder
waren sehr aufmerksam und wann immer sie eine Biene sahen, teilten sie es mir
umgehend mit. Eine gefundene tote Biene herrschte an einem Tag für großes Aufsehen.

Es war jedoch schnell klar, dass der Standort für die Bienen zwar sehr gut, für
eine einfache, genauere Beobachtung jedoch ein wenig zu hoch gewählt wurde.
Hinzu kam, dass das Frühjahr 2019 nicht nur für uns Menschen ausgesprochen
heiß wurde, sondern auch für die Bienen. Da durch die extreme Trockenheit zur
Obstblüte im April vermutlich sehr wenig Nektar vorhanden war, wurden wenige
Brutzellen in den Nistgängen von den Mauerbienen angelegt. Die erste „Ernte“
an Kokons fiel deswegen etwas mager aus:

 

Die Kokons wurden den natürlichen Gegebenheiten entsprechend kühl und
trocken bis zum nächsten Frühjahr 2020 gelagert.

Mit einem neuen Standort ging es in diesem Frühjahr weiter. Unser toller
Hausmeister Herr Hutzi baute aus Holzresten noch einen regensicheren Bau für
das Bienenhotel und befestigte es an Ort und Stelle. Zuvor wurden aufgrund der
mageren Ausbeute des Vorjahres noch je 10 Kokons der gehörnten und der roten
Mauerbiene bestellt und wieder in kleinen gelöcherten Pappboxen dazu gestellt.

Dann hieß es wieder: warten. Leider wurde kurz darauf der Schulbetrieb wegen Corona eingestellt. Die Bienen hat es hoffentlich nicht gestört. Hier eine der ersten Gesichteten:

!!! Am 20. Mai ist übrigens UN-Weltbienentag !!!

 

AUSBLICK

Unsere biologische Vielfalt ist bedroht, denn das beobachtete Artensterben
nimmt immer dramatischere Formen an. Wildbienen sind hier zwar nur ein
winziges Detail, aber ihnen gezielt zu helfen, verbessert auch die
Umweltbedingungen für zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Jeder von
uns kann dazu einen kleinen Beitrag leisten:

1. Umweltbewusst leben.
2. Natur Natur sein lassen.
3. Bienenfreundliche Blumen, Kräuter, Sträucher, Stauden oder Bäume
pflanzen bzw. aussäen, und zwar so, dass es vom Frühjahr bis zum Herbst
etwas zum Blühen gibt. Wertvoll für die Bienen sind zum Beispiel Borretsch, Disteln, Glockenblumen, Ringelblumen, Vergissmeinnicht und viele viele mehr.

Viele Tipps, Ideen und Wissenswertes dazu findet man
mit den folgenden Links:

NABU: Wie mache ich meinen Garten bienenfreundlich?
HIER KLICKEN

Gartenlexikon: 70 bienenfreundliche Pflanzen
HIER KLICKEN

4. Nistmöglichkeiten für Wildbienen schaffen: zum Beispiel ein Wildbienenhotel selbst bauen oder kaufen oder Totholz im eigenen Garten und im Wald liegen lassen. Wertvolle Hinweise dazu gibt es zum Beispiel von Deutschlands bekanntestem Wildbienenexperten Paul Westrich: HIER KLICKEN

5. Lichtverschmutzung verringern: HIER KLICKEN

www.pixabay.com
(Rebekka D)

Darüber hinaus kann sich jeder Gedanken über seinen Einfluss auf unsere Umwelt machen. Zum Beispiel ist es ein ganz wesentlicher Schritt zu einem umweltbewussten Konsumverhalten, sich über Produkte genau zu informieren. So trägt jeder Bio-Einkauf zur Artenvielfalt bei. Und regionale und saisonale Produkte schonen das Klima und die Umwelt. Und und und. Lassen wir uns durch die Mauerbienen für nachhaltiges Verhalten begeistern!

 

 

Ich bin gespannt, wie die Mauerbienen die Corona-Zeit genutzt haben.

Bis dahin grüße ich ganz herzlich,

Christine Kobelt, Klassenlehrerin der fleißigen Bienenklasse (April 2020)

www.pixabay.com
(Kiki Miki)